Interessant für die Frühgeschichte des Streichbogens scheint für Buchner auch eine Höhlenmalerei in Nordwest-Bulgarien zu sein.

“Diese Höhlenmalerei stellt einen Musikbogen mit Streichbogen dar. Die Abbildung ist ein Bestandteil der Felsmalereien in der Rabisch-Höhle bei der Stadt Bjelogradtschik, die Komposition läßt zwei Ebenen erkennen. Die obere stellt eine Gruppe tanzender Frauen und nackter Männer dar, die sichtlich mit dunklem, ockerfarbenem Kaolin und mit dem Finger gemalt sind. Das feuchte Mikroklima der Höhle hatte die Felsoberfläche ausgewaschen und zerstört, die Farbe aber wirkte als schützende Isolationsschicht und unterlag den Erosionseinflüssen nicht. So hatten sich die Bilder in ein plastisches Relief verwandelt – die Natur selbst verewigte so die Originalmalerei und bewies deren Echtheit. Die Zentralfiguren des unteren Gemäldeteiles sind zwei Musiker. Einer hält einen Bogen in lotrechter, ihm zugewandter Lage in der Linken, mit der Rechten scheint er die Bogensehne mit einem Streichbogen oder einem Reibstab zum Klingen zu bringen. Die zweite, hier nicht abgebildete Figur trägt eine Zweimembranentrommel auf der Brust und schlägt sie mit beiden Händen. Obgleich dieser Fund noch nicht genauer untersucht und auch noch nicht datiert worden ist, darf man über seine ungeheure Bedeutung für die Instrumentenkunde schon jetzt Überlegungen anstellen.”

Sollte eine genauere Untersuchung dieser Malerei deren Echtheit bestätigen und die Interpretation der Darstellung eines Streichbogens in diesem “Gemälde” sich erhärten, so liegt hier, auch wenn eine genaue Datierung der Entstehung dieser Felszeichnung noch nicht erfolgte, eine der frühesten Darstellungen eines Streichbogens vor. Es könnte sich hier jedoch auch um die versehentlich spiegelverkehrte Darstellung eines Jagdbogens mit dem dazugehörigen Pfeil handeln. Anhand der bei Buchner abgebildeten Skizze dieser Höhlenmalerei wäre eine weiterführende Interpretation zu gewagt.

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